Prolleten-Welt

The Proll — sind keine Punk-, Funk- oder Schlagerband, sondern Jürgen und Aze, zwei stinknormal langweilige Prolos: Der eine vom einen, der andere vom andern Ufer. Auf der einen, der sogenannt richtigen Seite, Jürgen, mit überdimensionierter Hornbrille, Heine-Frisur und Pferdegebiss und wohl einer pseudoholz Wohnwand, bei der um Punkt acht Uhr der Spot auf den Harlekin losgeht. Auf der andern Seite, ein Mann vom andern Ufer: weisses Netzleibchen, güldene Rolexuhr, gewickelter Blond-Haar-Frisur und weissen, enganliegenden Lederhöschen. Als farbige Zugabe rote Schnabelschuhe.

Die beiden Deutschen hatten im St. Galler Sittertobel ein Heimspiel — und nicht nur weil einige Deutsche lautstark «Jürgen-Jürgen—Jürgen» skandierten. Die Mischung aus aus altbekannten im neuen Kleid fand grossen Anklang: «Da traffen wir auf dem Schiff (Aze: genauer, Oberdeck) Fredy Quinn, zuerst brachten wir ihn in eine stabile Seitenlage, um ihn dann richtig eins reinzuhauen.»

Einstimmiger Höhepunkt war aber die Zugabe, in der der rechtschaffene Ehemann oder Junggeselle Jürgen — was wohl hier auf dasselbe herauskommt — der Tunte Aze einen Besuch bei der Domina schenkt: «Hui, da war ich noch nie.» Zu ihrer wahren Bestimmung fanden dabei Azes Brustwarzenpiercing. Und Jürgen musste oder dufte? in die lackierten Hochhackenstiefel steigen.

Die Darbietung schloss mit einer wiederum gekonnten Coverversion in deutsch und deutlich verständlichem Text, diesmal von den Backtreet Boys: «Wenn Du was machst, dann mach es richtig.» …

Für Biwidus: Rebecca Buchmüller

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